Ein Bach als Fundort alter Keramikscherben

In diesem Bachlauf finden sich gelegentlich Tonscherben. Dörentrup war ein neuzeitliches Zentrum der Töpferarbeit in der Region. Die Bauern gruben den hier an einzelnen Stellen vorkommenden Ton und verkauften ihn an Töpfer in der direkten Umgebung, aber auch in Lemgo. Seit dem 17. Jahrhundert wird die Töpferei hier betrieben. Die Qualität war aber anfangs mäßig und es kam zu vielen sogenannten Fehlbränden. Töpferware, die nicht verkauft werden konnte, wurde entsorgt und so kamen viele Scherben in den Boden, von wo sie gelegentlich vom Wasser freigespült werden. Der Rat der Stadt Blomberg bemerkte 1791: „Die Töpfereien des Amtes Brake liefern noch zur Zeit eine grobe schlecht glasierte, unförmige und mürbe Ware“.

Quelle: Stadtarchäologie Soest CC BY-NC-SA 3.0
Ein einfacher Grapen des 16./17. Jahrhunderts. Solche Töpfereiprodukte waren typisch für einfache Keramik der Frühen Neuzeit, dieses Beispiel stammt aus Soest.

Erst im 19. Jahrhundert verbesserten sich die Produkte und 1897/98 wurde in Dörentrup die Litho = Lippische Thonwarenfabrik gegründet, die Ziegelsteine, Dachpfannen und Röhren produzierte. Anteilseigner waren die beiden Juden Isaak Hochfeld und Max Lenzberg, die Gutsbesitzer von Reden und Frevert und der Amtsrichter Huxoll. Die beiden jüdischen Familien wurden von den Nationalsozialisten 1937 zum Verkauf gezwungen. Die Litho aber existierte noch, bis sie 1973 an die Dörentruper Sand- und Thonwerke verkauft wurde.

Quelle: Grugerio WikimediaCommons CC BY-SA 4.0
Der Pottkuhlenteich in Dörentrup. Der Teich entstand, weil hier Ton abgegraben wurde.
Quelle: Tsungam WikimediaCommons CC BY-Sa 4.0
Gebäude der ehemaligen Sand- und Thonwerke in Dörentrup.

Die Bedeutung der Keramik in der Archäologie

Archäologische Grabungen liefern oft beeindruckende Funde. Schmuck, Waffen oder große Geräte finden schnell das Interesse des Publikums. Keramikscherben jedoch erfreuen meist nur die Archäologen selbst. Keramik aus Ton besitzt eine Reihe herausragender Eigenschaften. Es zerfällt im Boden nicht, wird also praktisch überall in großen Mengen gefunden. Es wurde nach bestimmten Moden gefertigt, so dass Keramik einzelner Jahrhunderte unterschiedlich aussieht – und das kann man selbst an Scherben meist erkennen (wenn man sich auskennt). Außerdem wird Keramik schon so lange ausgegraben, dass man vor Ort regelmäßig eine gute Vorstellung davon hat, was wann modern war. Mit Hilfe der Keramik kann man Erdschichten, in denen man gegraben hat, datieren. Außerdem wissen Archäologen oft recht schnell, ob eine Scherbe zur regionalen Produktion passt oder ob es sich um importierte Ware handelt. Scherben bringen eben Glück, jedenfalls für Archäologen.