Hohlwege Teil 2 – Kultur- und Naturraum

Hohlwege sind durch die Reifen von Wagen in den Boden geschnitten. Sie sind demnach durch eine Kulturtechnik entstanden. Für den Verkehr waren sie allerdings ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr nützlich. Zu tief eingeschnittene Hohlwege werden zu Abflussröhren für Regenwasser und wachsen von den Seiten zu. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass von oben Äste und sonstiges Material hineinfallen. Sie bedeuten auch einen Engpass für den Verkehr, der – je länger er wird – zum echten Hindernis wird.

Hohlwege wurden daher, wenn sie eine bestimmte Tiefe erreicht hatten und nicht befestigt werden konnten, als Fahrspur aufgegeben. Damit entsteht quasi über Nacht aus einem Kulturraum ein Naturraum. Viele der heute schützenwerten Naturräume sind ursprünglich aus Kulturtechniken hervorgegangen, die wir aber heute nicht mehr anwenden. Die besonderen Verhältnisse im Hohlweg, die Feuchtigkeit, die relative Dunkelheit am Boden usw. schaffen ein spezielles Biotop. Vor allem aber sind die alten Hohlwege Rückzugsorte für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Das macht sie zu Naherholungsorten mit außergewöhnlichem Naturerleben, zu Naturdenkmälern. Davon gibt es im Kreis Lippe fast 400. In der Gemeinde Dörentrup gehören vier Hohlwege dazu. Sie sind besonders schützenswert.

Quelle: Gliwi, WikimediaCommons CC BY-SA 4.0
Hohlweg bei Matorf, Stadt Lemgo. Das besondere Naturerleben in einem alten Hohlweg, der noch gut sichtbar eingeschnitten ist, macht die früheren Verkehrswege zu Naturdenkmälern. Interessant ist vor allem der unterschiedliche Lichteinfall.
Quelle: Gliwi, WikimediaCommons CC BY-SA 4.0
„Alter Dienstweg“ bei Humfeld, Gemeinde Dörentrup. Dörentrup besitzt vier Hohlwege als Naturdenkmäler. Zwei davon liegen an diesem Rundwanderweg.
Quelle: Tsungam, Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Mergelkuhle nordöstlich Trophagen, Stadt Lemgo. Naturdenkmäler gehen oft auf frühere Kulturtechniken zurück. Die Kuhle auf diesem Foto ist entstanden, weil Mergel früher für die Düngung, die Stabilisierung feuchter Böden und zur Zementherstellung verwendet wurde. Die Vorkommen wurden deshalb sehr gern abgegraben.

Archäologie und der Schutz der Denkmäler

Wir wollen Denkmäler erhalten, egal um welche Art Denkmal es sich handelt. Anders als man glauben könnte, geht es in der Archäologie auch nicht zuerst darum, eine Ausgrabung zu machen. Denn Ausgrabungen zerstören die untersuchte Fläche mehr oder weniger stark. Einzelne Grabungen zu Forschungszwecken sind nötig, um uns neue Erkenntnisse zu vermitteln, aber in der Regel gilt: Gegraben wird nur dort, wo das Denkmal in Gefahr ist, etwa durch Straßenbau, Anlage von modernen Kellern oder aufgrund natürlicher Erosion. In der Archäologie setzt man deshalb auch mehr und mehr auf „schonendere“ Untersuchungsmethoden. Ein Bodenradar kann bereits wichtige Hinweise auf archäologische Strukturen liefern. Die Ergebnisse können wiederum in einer 3D-Darstellung sichtbar gemacht werden und lassen erste Interpretationen zu. Mit Hilfe moderner Computerprogramme können Oberflächendaten zu aussagekräftigen Karten gestaltet werden und aufgesammelte Funde (sogenannte Lesefunde) können mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden auf Alter und Material getestet werden.