Ein Hohlweg – Verkehr schafft Landschaft

„Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht“. Wer kennt ihn nicht, den Hohlweg aus Schillers Wilhelm Tell (4. Aufzug, 3. Szene). Wer weiter liest, der erfährt, dass es sich um den Teil einer Straße handelt.

Quelle: Lippisches Landesmuseum
Archäologische Untersuchung eines Hohlwegs bei Oesterholz. Auch dieser Hohlweg bei Schlangen-Oesterholz war auf dem Grund befestigt, um den Verkehr besser aufnehmen zu können. Wie diese ehemaligen Straßenteile genau aufgebaut waren, kann nur eine archäologische Untersuchung zeigen.
Quelle: Foto Tsungam, WikimediaCommons
Hohlweg an der Großen Egge. Am Passübergang der Großen Egge in der Nähe der Externsteine stand nur ein schmaler Weg zur Verfügung. Er wurde schon sehr früh aufwendig bearbeitet. Man versuchte einen möglichst kurzen Anstieg auf festem Stein zu erreichen, den die Zugtiere bewältigen konnten. Das Foto zeigt den Hohlweg im Jahr 2014.

Hohlwege entstanden überall dort, wo auf weicherem Sand oder Gestein die schweren Wagen und ihre Zugtiere besonderen Druck auf den Boden ausübten. In den Mittelgebirgen ist das oft an Steigungen der Fall. Die Fahrspur wurde immer tiefer, bis ständig Wasser und Schlamm hineinlief, und sie nicht mehr befahrbar war. Dann wechselten die Fuhrleute neben die Spur, ließen eine neue Fahrbahn entstehen, die sich wieder langsam vertiefte. Über Jahrhunderte konnten so ganze Hohlwegbündel entstehen. Manchmal pflasterte man den Untergrund und befestigte ihn so. In Einzelfällen schlug man den Weg auch tief in den Fels, so dass die Wagen auf sicherem Boden fuhren. Aber Hohlwege waren gefährlich. Hier lauerten allerdings seltener Räuber mit einer Armbrust, die Gefahr bestand eher durch das Umkippen eines Wagens. Und Verletzungen auf Reisen konnten in vormoderner Zeit meist nicht behandelt werden. Man verlegte deshalb im modernen Straßenbau die Wege auf aufgeschüttete Dämme und die alten Hohlwege blieben in der Natur zurück.

Hohlwege als archäologisches Untersuchungsfeld und als Naturdenkmal

Hohlwege sind Denkmäler der Verkehrs- und damit auch der Wirtschaftsgeschichte und damit Bodendenkmäler. Sie können Aufschluss geben über den Verlauf und die Bedeutung alter Wege und Straßen. Hohlwegbündel im Wald deuten an, dass eine Straße über die Jahrhunderte häufig genutzt wurde. Aufwendige Pflasterungen, die meist nur durch eine archäologische Untersuchung gefunden werden, verraten, dass es sich um einen Weg von überregionaler Bedeutung handelte, nicht nur um eine Verbindung zwischen zwei Dörfern. Eine Freilegung wird dennoch nur dann unternommen, wenn das Denkmal in seinem Bestand gefährdet ist, zum Beispiel durch Bauarbeiten.

Ansonsten sind Hohlwege eben auch besondere Teile der Landschaft, die durch ihre Struktur als eingeschnittener Weg und durch ihren Bewuchs zum Naturdenkmal geworden sind. An den Flanken wachsen oft Gehölze und Sträucher, die eine ökologische Bereicherung darstellen. Nur selten kann man in der Landschaft den Zusammenhang zwischen menschlicher Kultur und Natur so gut erkennen wie bei unseren Hohlwegen.

Quelle: Eugen Lehle, Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.
In sehr weichem Material konnten sich Hohlwege extrem tief einschneiden. Sie bilden dann heute außergewöhnliche Passagen, wenn sie wir hier ihren Charakter als Weg noch erhalten haben.