Ackerterrassen – Relikte menschlicher Anstrengungen

Im angrenzenden Wald kann man mit viel Mühe kleine Stufen im Waldboden erkennen. Es handelt sich um ehemalige Ackerflächen. Das leicht treppenartige Aussehen entstand, weil man parallel zum Hang immer in eine Richtung gepflügt hat. Dabei kam es zu sogenannten Wölbäckern, bei denen die Ackerkrume auf einer Seite der Furche immer höher wird. Wenn der Boden nicht mehr gepflügt wird, wird durch Bodenerosion die Ackerkrume aber auch wieder abgetragen, so dass man heute die Ackerterrassen nur noch bei ganz genauem Hinsehen erkennt.

Quelle: CC BY-SA 3.0.
Schematische Darstellung eines Wölbackers und seiner Entstehung. (Darstellung von Patagonier nach einer Zeichnung bei H. Küster, Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa, München 1997.

Kulturgeschichtlich sind die Ackerterrassen sehr wichtig. Sie zeigen die Veränderungen menschlicher Siedlung. In Phasen starken Bevölkerungswachstums nahm man auch Flächen unter den Pflug, die aufgrund ihrer Lage oder Bodenbeschaffenheit dafür nicht sonderlich gut geeignet waren. Gerade im Hochmittelalter zwischen 1000 und 1250 wurden deshalb viele neue Siedlungen angelegt und viele Flächen für den Getreideanbau unter den Pflug genommen. Schrumpfte die Bevölkerung wieder, dann wurden Äcker, die nur schwer zu bebauen waren, in Wiesen oder Wald umgewandelt. Das geschah nach den großen Seuchenzügen des Spätmittelalters, vor allem nach den Pestzügen 1348-50, und wieder im Dreißigjährigen Krieg. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden schließlich viele Flächen gezielt aufgeforstet.

Quelle: 3D Geoportal NRW
Aufnahme der Ackerterrasse im 3D Geoportal NRW. Erst in der 3D-Darstellung erkennt man die Ackerterrassen eindeutig.

Wie entdecken Archäologen Ackerterrassen?

Obwohl man schon lange wusste, dass sich im Wald und unter Wiesen viele ehemalige Ackerflächen verbargen, war es schwer, diese Ackerterrassen mit Sicherheit zu identifizieren. Erst in den 1980er Jahren wurde im größeren Stil Luftbildarchäologie betrieben. Das führte schon zu vielen Entdeckungen, denn aus der Luft lassen sich, wenn die Bäume kein Laub tragen, viele Strukturen auf dem Boden besser erkennen als vor Ort.

Seit Beginn der 2000er Jahre nutzt man immer häufiger das Airborne Laserscanning zur Darstellung des Bodens. Die Lasersysteme wurden schon seit den 1970er Jahren entwickelt und seitdem ständig verbessert. Durch das Zusammenspiel mit dem neuen GPS wurde es möglich, die Erdoberfläche mit dem Laser so abzutasten, dass die Bodenoberfläche zentimetergenau dargestellt werden konnte. Die Airborne-Laserscanning-Daten sind so gut, dass man auf den darauf aufbauenden Karten alte Ackerterrassen mit großer Sicherheit identifizieren kann. Man kann somit kulturgeschichtliche Relikte erkennen, ohne eine archäologische Grabung o. ä. durchführen zu müssen.

Quelle: © Gemeinde Dörentrup
Wölbäcker bei Alfhausen-Rieste in Niedersachsen. Nur selten kann man Wölbäcker oder Ackerterrassen so eindeutig identifizieren wie hier. Meistens sorgt erst eine Luftbildaufnahme oder ein Laserscan für Sicherheit.